Ahimsa – Das Prinzip der Gewaltlosigkeit

Wenn wir uns näher mit Yoga abseits der „Verrenkungen“ und „Verknotungen“ beschäftigen, kommen wir an Ahimsa nicht vorbei. Und vielleicht spürt es der/die ein/e oder andere auch schon unbewusst während oder nach  der Praxis von Yoga- so ein tiefes, inneres Gefühl von Frieden und Ausgeglichenheit.

Ahimsa ist eine der fünf yamas (Handlungsempfehlung im Umgang mit anderen aus dem Yogasutra nach Patanjali). Einfach gesagt ist ahimsa das Prinzip der Gewaltlosigkeit.

Klingt etwas nach alt-Hippie-Wunschdenken nicht wahr? Und das erste woran man denkt ist körperliche Gewalt anderen gegenüber. Nun kann man leicht dazukommen, zu denken: „Ok, das ist ja einfach. Das mache ich ja sowieso nicht. Also kann ich da schon einmal einen Haken hinter machen“

Und doch ist es nicht ganz so einfach, denn wir etwas genauer hinschauen, werden wir sehen, dass Ahimsa mehr ist als jemanden nicht zu schlagen und dass es manchmal doch schwieriger umzusetzen ist als vorerst angenommen.

Ahimsa ist ein völliges Abstandnehmen irgendeinem Lebewesen Schmerz oder Leid zuzufügen, in Gedanken, in Worten und in Taten. Ahimsa bedeutet also auch nicht schlecht über andere zu reden, eine Abneigung oder Vorurteile gegen jemanden zu haben. Hass, Beschimpfungen, Gerüchte verbreiten, jemanden schlecht machen, hasserfüllte Gedanken, lügen all das ist nicht-Ahimsa. Und auch der Umgang mit sich selber fällt mit in den Bereich von Ahimsa.

„Wer fest verankert ist in der Gewaltlosigkeit, in dessen Umgebung schwindet die Feindschaft.“- Yogasutra, Patanjali

Das ist schon eine ganze Menge, was für Ahimsa zu beachten ist und so ist Ahimsa in unserer Zeit mehr denn je ein aktuelleres Thema als zuvor. Ich würde auch einmal behaupten, dass sich die meisten Leute nicht als gewalttätig gegenüber anderen bezeichnen würden. (Auch Vegetarismus/Veganismus ist eine Form Ahimsa zu praktizieren, doch das ist vielleicht noch ein anderes Thema für einen weiteren Blogeintrag.)

Ahimsa auf der Yogamatte bedeutet gut zu sich zu sein und sich nicht in Asanas „reinzupressen“. Es passiert so oft, dass wir uns z. B. in den perfekten Schulterstand (Sarvangasana) hineinbegeben nur weil es alle anderen um uns herum machen, obwohl unser Körper vielleicht lieber in das „Happy Baby“ gehen möchte oder einfach nur noch eine kleine aber intensive Umarmung braucht. Das nächste Mal wenn das passiert, sollten wir das tun wonach unserem Körper ist und „Tada“ das ist Ahimsa- sich nicht in eine Position reinzupressen, in der man sich womöglich noch verletzt.

Ahimsa bedeutet nicht nur „gut“ zu sich zu sein und sondern auch gut über sich und mit sich zu reden. Es fällt uns vielleicht noch leicht über unsere Freunde und Familie gut zu reden, aber wenn es um uns selber geht, sind wir oft unfair, fordernd und äußerst selbstkritisch. „Das war nicht gut genug. Das hättest du besser machen können.“, „Ich bin nicht gut genug.“, „Ich bin zu dumm dafür“, „Ich bin zu fett, zu dünn, zu unsportlich…“ So würden wir nie mit unseren besten Freunden reden, weil es zu verletzend ist und doch tun wir es immer wieder mit uns selber. Manchmal auch vollkommen unbewusst. Ahimsa kann uns daran erinnern verständnisvoll zu uns zu sein. Wir machen Fehler, sind unsicher, haben Zweifel und sind alles andere als perfekt und das Schönste und Gütigste, was wir für uns tun können ist, aufzuhören uns immer und immer wieder schlechter zu machen als wir in Wahrheit sind. Wenn wir das tun, können wir vielleicht auch einfacher gut zu anderen sein. Und beides kann Hand in Hand gehen. Es ist ein Prozess auf beiden Seiten. Wichtig ist es den eigenen Weg damit zu finden und zu schauen, dass es für einen selber passt. Und vielleicht verändert sich dein Leben oder zumindest dein Bewusstsein.

Natürlich könnte ich dies jetzt noch weiter ausführen und darauf verweisen, in welchen Alltagssituationen wir alle mehr Ahimsa walten lassen sollten, doch das würde hier an dieser Stelle eventuell auch zu weit führen.  Ich denke, dass wir alle „nur“ Menschen sind uns ganz bestimmt nicht alles perfekt machen können. Doch vielleicht kann jede/r einmal in sich gehen und schauen in welchen Situationen Ahimsa umsetzbar sind.

Vielleicht ist es für dich möglich mehr Verständnis für deine Kollegin aufzubringen und aufzuhören über sie zu lästern.

Vielleicht kannst du die Spinne, die im Winter Schutz in deiner Wohnung sucht nicht töten, sondern sie behutsam rausbringen.

Oder vielleicht pushst du dich das nächste Mal nicht in die „abgefahrene“ Asana, die du gerade auf Instagram gesehen hast.

Wie auch immer dein Weg zu mehr Ahimsa aussieht, denke immer daran dich nicht zu verurteilen, wenn es einmal nicht gelingt- sei Ahimsa mit dir.

By |2018-12-03T10:37:09+00:00November 2nd, 2018|Basic|0 Comments

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Berlin| inspirations| life| collecting moments Hallo, Namaste und willkommen auf meinem Blog Mein Name ist Caro (eigentlich Svenja Carolin, aber viele nennen mich nur „Caro“ oder „Svenja“) und ich bin zertifizierte Hatha/Vinyasa Flow Yogalehrerin. Und ich arbeite als Assistentin im Personalbereich beim Rundfunk. Ich liebe Yoga, Meditation, Netflixen, MatchaLatte und all die kleinen Dingen auf der Welt. Auf diesem Blog schreibe ich über Yoga, meine Yogareise, Essen und meine Gedanken. Die Welt hat so viel zu bieten und wir sollten alle versuchen mehr auf die kleinen positiven Dinge zu achten und viel verständnisvoller mit uns und anderen umgehen. Wenn du irgendwelche Fragen hast oder einfach nur „Hallo“ sagen magst, scheu dich nicht mir zu schreiben.

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